aktuelle News

Wie steht der Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, zu seinem Volk und zu allen Völkern der Welt am Nationalfeiertag seines Landes, der 14. Juli? Welche Botschaft sendet er seinem Volk am Jubiläum der Französischen Revolution nach mehr als zwei Jahrhunderten? Will Macron die Lehre der Französischen Revolution bewahren? Die historische Lehre, die drei Schlagworte umfasst: Liberté, Egalité, Fraternité.

 


stuttmann.jpg

von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Liberté und die individuellen politischen Rechte und Pflichten
Liberté als politische Seite der Revolution setzte sich über den bis dahin herrschenden Absolutismus durch, aber die Erklärung der Menschenrechte war gewiss nur eine allgemeine Grundlage. Die individuellen politischen Rechte und Pflichten mussten später in allen fortschrittlichen Verfassungen Europas festgelegt werden. Aber die sozialen Rechte (und Pflichten) bleiben bisher verfassungsmäßig in keinem westlichen Land verankert, trotz der Charta von Paris 1990.

Egalité: Gleichwertigkeit aller Menschen, Gleichheit vor dem Gesetz
Egalité ist die sozial-rechtliche Seite der Revolution. Sie steht für die Gleichwertigkeit aller Menschen, für ihre Gleichheit vor dem Gesetz.

Fraternité: Gegenseitig beistehende, helfende Verbundenheit aller Menschen
Fraternité steht für die sich gegenseitig beistehende, helfende Verbundenheit aller Menschen. Das umfasst die ganze Nation, alle Franzosen, genauso wie alle Menschen der Welt.

Ideen der Französischen Revolution: Menschheitsideen
Zum ersten Mal in der Geschichte entstand die weltweite Anschauung, dass die Ideen der Französischen Revolution Menschheitsideen sind, die der ganzen Welt mitgeteilt werden müssen, denn alle Menschen sollen Brüder sein.

Sarkozy – Hollande – Macron: Verräter dieses menschlichen Vermächtnisses
Wirken nicht die französischen Regierungen Sarkozy – Hollande - Macron durch ihre mörderischen Aggressionen gegen die Völker in Libyen, Irak und Syrien als Verräter dieses menschlichen Vermächtnisses?

„Reformen“: Samen für neue Revolten
Frankreich mit seinen neokolonialen Ambitionen führt heute noch Angriffskriege, begeht Mord und verrät die Bruderschaft aller Menschen, die Fraternité. Verrät Macron nicht auch sein eigenes Volk bei dem Prinzip Egalität, wenn er sich an die Seite des Finanzkapitals stellt, und im Dienst von Banken und Konsortien das Volk durch angebliche „Reformen“ betrügt, Reformen, die die Herrschaft der Finanzen und Banken sichern und das Volk weiter in die soziale Misere versinken lassen. Ist das nicht der Samen für neue Revolten gerade mitten in einer Finanzkrise?

Von Macron distanzieren, nicht vom französischen Volk
Deutschland muss sich von dieser unberechenbaren, unverantwortlichen Macron-Regierung distanzieren, was nicht bedeutet sich vom französischen Volk abzuwenden.

Russland im Kontrast zu Frankreich
Als Kontrast zu Frankreich und in vollem Einklang mit der Bruderschaft als geistiges Erbe der Französischen Revolution steht im großen Unterschied zu Paris Russlands geistige Botschaft an Europa und an die Welt. Als Hoffnung für Europa und die ganze Menschheit scheint die Stunde Russlands gekommen zu sein. Die Zukunft Russlands wird nicht von einem verfaulenden Zustand des Westens bestimmt. Russland ist die Aufgabe zugewiesen, mit seiner leidgeprüften Menschenliebe, Europa und die Menschlichkeit für eine kooperative Gesellschaft zu neuem Leben zu erwecken. Hier liegt die Kraft der russischen Religiosität, in ihrem Streben nach Universalität und Allmenschlichkeit. Ein viel weiteres Ziel als der Utilitarismus, ein unvergleichlich höheres Ziel ist zu erreichen, als es der nächstliegende Utilitarismus je sein könnte. Mit voller Lebenskraft ist diesem Streben zu folgen: Zur lebendigen Wiedervereinigung der Menschen, zu einer universalen Einigung! Nicht feindlich, wie es von Frankreich und anderen herrschenden westlichen Regierungsstellen gefördert wird, sondern freundschaftlich. Den Schöpfergeist der fremden Völker offen aufzunehmen, aller Völker, so viele es nur gibt, um das Fremde wertschätzen zu können. Allein damit haben die Russen ihre Fähigkeit und Neigung zur Vereinigung aller Völker.

Zivilisation der Liebe: Alexander Puschkin und Fiodor Dostojewski
Diese Weisheit und Hinweise zu einer Zivilisation der Liebe bekommt der Westen aus dem höchsten und nobelsten russischen Geist, wie niemand besser als Alexander Puschkin und Fiodor Dostojewski ihn widerspiegeln können.

Die Bestimmung des russischen Menschen ist unstreitig eine universale.“ (Fiodor Dostojewski).

Alle Europäer, Russen, sind Brüder mit allen Arabern, Indern, Chinesen, Afrikanern, Amerikanern, Polynesier, Asiaten, mit allen Völkern. Die Spaltung, die Trennung ist Betrug und Täuschung, irrender Weg und falsche Haltung, die die menschliche Einheit verhindern will.

Einheitsidee
Diese menschliche universale Einheit ist Katholizismus im wahren Sinne des Wortes, „die Verkörperung der Einheitsidee auf Erden, und zwar nicht einer durch das Schwert oder die Gewalt errungene, sondern durch die Macht der brüderlichen Liebe und unseres brüderlichen Strebens zur Wiedervereinigung der Menschen, zur verwirklichten Einheit.“ So Fiodor Dostojewski und weiter: „Die europäischen Widersprüche sind in sich endgültig zu versöhnen, wenn die europäische Sehnsucht in der russischen allmenschlichen und allvereinenden Seele den Ausweg findet, in dieser Seele sie alle in brüderliche Liebe aufzunehmen und so vielleicht das letzte Wort der großen, allgemeinen Harmonie, des brüderlichen Einvernehmens aller Völker nach dem evangelischen Gesetz Christi auszusprechen.

Kultur im Osten von der menschlichen Kultur im Westen unterscheiden
In diesem Geist unterscheidet sich wesentlich die menschliche Kultur im Osten von der menschlichen Kultur im Westen, denn die christliche Botschaft wurde im Osten anders als im Westen verbreitet. Der römische Katholizismus war nicht primär in der Geschichte des Christentums. Viel älter und auch viel kultivierter als Rom war die christliche Orthodoxie mit ihrem Zentrum Byzanz. Im Mittelalter bei einem barbarisch gebliebenen Europa war Byzanz Stätte einer unvergleichlichen Raffinesse und Kultur.

Die christliche Orthodoxie lebt mit allem und sie identifiziert sich mit allem. Sie sympathisiert mit der gesamten Humanität, ohne Unterschied der Nation, der Abstammung oder Landesherkunft. Sie besitzt den Instinkt der menschlichen Universalität.

Die römische Kirche hat die Idee des römischen Imperiums über den Glauben an Gott gestellt. Zu diesem Zweck dient die Unfehlbarkeit des Papst, die als Dogma 1870 deklariert wurde, eine Deklaration, die auch im historischen Kontext anzusehen ist.

Geist der Aufklärung an der Seite des westlichen Christentums nur mit selbstkritischer Betrachtung der westlichen Geschichte
Deutsche Medien beanspruchen den Geist der Aufklärung an der Seite des westlichen Christentums. Ein solcher Anspruch wirft aber die Frage nach welcher Art von Aufklärung auf. Es fehlt eine selbstkritische Betrachtung der westlichen Geschichte, was in vieler Hinsicht ein großes Problem in Europa geworden ist. Unaufgeklärt bleiben so die Defizite der westlichen Zivilisation. Sie werden zu wenig bewusst:

Die hässliche Geschichte von Plünderung, Raub und geplantem Mord an anderen Völkern und Menschen durch die Kreuzfahrten, die gewaltsame Kolonisierung, die Sklaverei, die Vernichtung und Ausrottung der Völker in Übersee, vor allem der Einheimischen von Nordamerika, Australien, Teilen von Afrika und Lateinamerika. Diese massenmörderische Geschichte ging weiter im 20. Jahrhundert mit dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, mit weiteren Angriffskriegen und den barbarischen Neokolonialismus von Frankreichs und Großbritannien in den letzten Jahrzehnten, auch in das 21. Jahrhundert hinein. Sind diese grausamen, bösen Taten Zeichen christlicher Aufklärung? Es handelt sich um massenmörderische Attentate der sogenannten christlichen Welt, mit denen sich jeder christliche Journalist befassen sollte, anstatt sie zu verdrängen oder zu ignorieren.

Spiritualität im Orient
Die Verbreitung des Christentums von Byzanz aus hatte puren religiösen Charakter im Gegensatz zu seiner Verbreitung in Germania und Frankreich, wo die Religion sich als Konsequenz eines militärischen Siegs grausam durchsetzte. Mit anderen Worten: Das byzantinische Christentum verbreitet sich nicht mittels militärischer Eroberungen, sondern hauptsächlich friedlich als eine Religion getragen von dem menschlichen Prestige einer erhabenen Zivilisation. Man empfängt sie mit Sympathie, man akzeptiert sie freiwillig. Das Prestige, das sie unterstützt ist ein menschliches Prestige. Daher die Spiritualität im Orient, die als eine Bereicherung für die gesamte Menschheit anzuerkennen ist.

Der Individualismus des christlichen Abendlandes ist in einen ekelhaften Egoismus degeneriert. So sieht auch das heutige Frankreich von Macron aus. Ein extremer Egoismus einer Gesellschaft, die ihren Sinn für Mitmenschlichkeit verloren hat. Macron scheint eher bei dem grausamen Verhalten von Charlemagne (Karl der Große) geblieben zu sein, der Terror gegen Terror setzte. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass immer mehr Menschen das Bild von Christus außerhalb der kirchlichen Institutionen suchen, indem sie wahrnehmen, dass christliche Liebe durch Brüderlichkeit und Annäherung von Mensch zu Mensch wachsen kann, weniger aber in einer Macht-Institution, die sich von der etablierten Macht abhängig macht oder sich ihr andient. Menschliche Liebe, Brüderlichkeit und der tiefe Glaube an Gott gibt es in dem Islam genauso wie in der christlichen Orthodoxie.

Als eine sekuläre Religion bildet der Islam eine soziale Moral für alle Menschen auf der Basis der Gleichheit und Brüderlichkeit. Einfacher als das Christentum ist der Islam eine soziale Vorstellung des Lebens für jeden Menschen.

Um sich kritisch mit beiden - christliche Orthodoxie und Islam- auseinanderzusetzen, muss man sich zuerst kritisch mit seiner eigenen westlichen Religiosität oder ihrem Mangel befassen. Das erfordert Realismus, Bescheidenheit, Demut.

Katholizismus bedeutet Universalismus. Die Katholische Kirche ist eine universale christliche Gemeinschaft, wobei Europa und hiermit Deutschland oder das katholische Frankreich nur einen kleinen Teil davon darstellen, und schon gar nicht das Zentrum des Universums.

Das Frankreich von Macron ist weit entfernt von der menschlichen Bruderschaft, von der menschlichen Liebe. Dass der Präsident Frankreichs am Nationalfeiertag des Landes lediglich den US-Präsidenten und keinen europäischen Staatsmann als Gast im Elysée empfängt, ist seltsam, befremdlich. Für Europa scheint der Franzose nicht viel übrig zu haben. Offensichtlich. Aber von der Souveränität Frankreichs offensichtlich auch nicht. Er opfert Frankreichs Souveränität auf dem Schoß des US-Präsidenten Trump, die Souveränität, die traditionell für Frankreich als eigenständige Nation stand. Macrons Ergebenheitsadresse an den US-Präsidenten am höchsten Feiertag Frankreichs, seine an Donald Trump gerichteten Worte von untrennbarer Freundschaft mit den USA sind nicht nur absolut fehl am Platz, sondern könnten zudem auch pures Theater darstellen. Allerdings lässt sich der US-Präsident nicht einfach in das undurchsichtige Spiel von Paris hinein manövrieren. Hat der Präsident Frankreichs ein Minimum von realistischer Wahrnehmung der gefährlichen Konfrontation der USA mit Russland? Hat er Trump aufgefordert, sich umgehend zu einem persönlichen Gespräch mit Putin zu treffen? Der Zweite Kalte Krieg, den Clinton, George W. Bush und Obama provoziert haben, hat schon angefangen, ein heißer Krieg zu werden. Das muss sofort aufhören. Wollen Redakteure der Washington Post den atomaren Weltuntergang heraufbeschwören, wie Paul Craig Roberts befürchtet? Europäische Staatsmänner und Medien, die noch über ein Rest von Intelligenz verfügen, müssten Präsident Trump doch eigentlich dazu auffordern, sofort den russischen Präsidenten Putin anzurufen und ein Treffen mit ihm zu vereinbaren, bei dem die gefährliche Lage entschärft werden könnte. Wie steht der Präsident Macron dazu? Ist ihm klar, dass bei einer militärischen Konfrontation USA-Russland zuerst die Existenz Europas betroffen wäre?

Die deutsch-französische Bruderschaft besteht unabhängig von den Staatsführungen auf der Ebene der Menschen in beiden Ländern und wird sich weiter vertiefen. Auf Regierungsebene ist es angemessen und ratsam, den unterschiedlichen Kurs klarzustellen, vor allem, wenn Berlin sich um die vollständige politische Integration Europas bemüht und den Euro retten will, was mit Sicherheit nur innerhalb einer erwünschten Konföderation auf der Basis einer entsprechenden Verfassung und des Beitritts per Volksabstimmung von geigneten und willigen europäischen Staaten gehen wird, auch wenn Frankreich vermutlich als weder geeignet noch willig nicht dazu gehören wird.

© Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait

Quellenangaben:

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann / Berlin

Foto: Tlaxcala*Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait ist eine chilenische Rechtsanwältin und Diplomatin (a.D.). Studium der Rechtswissenschaften an der Katholischen Universität in Santiago de Chile mit Spezialisierung auf das Völkerrecht und Praxis im Strafrecht. Nach ihrer Arbeit im Außenministerium war sie Diplomatin in Washington D.C., Wien und Jerusalem und wurde unter der Militärdiktatur aus dem Auswärtigen Dienst entlassen.

Grafische Bearbeitung/Linksetzung durch 0815-Info.com