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Am 5. Oktober legte der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobij, im italienischen Parlament in Rom einen Lagebericht über den Bürgerkrieg in Syrien vor, besonders über die Situation in Aleppo.

 


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Betreff: Programmbeschwerde: ARD-aktuell unterschlägt kritische Gegenansicht zum Syrienkrieg
Datum: 23. Oktober 2016 um 03:55:36 MESZ
An: "NDR RR VWR" gremienbuero@ndr.de, l.marmor@ndr.de

Programmbeschwerde: ARD-aktuell unterschlägt kritische Gegenansicht zum Syrienkrieg

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Werte Damen und Herren Rundfunkräte, werter Herr Intendant,

Die Glaubwürdigkeit und Seriosität dieses Augenzeugen ist nicht zu bezweifeln. Seine Beschreibung des Alltags in Aleppo und sein Forderungskatalog „Fünf Dinge, die der Westen sofort tun müsste, um den Krieg in Syrien zu beenden“ zeichnen ein so krass von den üblichen ARD-aktuell-Darstellungen abweichendes Bild, dass allein schon aus diesem Grund zwingend darüber hätte berichtet werden müssen (Programmrichtlinie im Staatsvertrag: „..umfassend und vollständig“...).

Im Einzelnen erklärt der Geistliche, warum man die terroristischen Mörder nicht „Rebellen“ nennen dürfe – keinen dieser Verbrecher – und warum nicht nur vom Leiden in Ost-Aleppo zu reden sei, sondern auch vom Leiden im viel größeren Westteil der Stadt. Er benennt andere Leidensursachen und deutet vor allem auch auf andere Leidensverursacher, darunter die unmenschlichen EU-Sanktionierer gegen Syrien, die maßgeblich von der Regierung in Berlin angeführt werden.

Quellen u.a.:

Die „fünf Dinge“ sind Ihnen und der Redaktion ARD-Aktuell natürlich bereits bekannt, denn sie wurden in ähnlicher Form schon früher in einem Appell veröffentlicht, den christliche Geistliche, Ordensleute und Priester nicht nur der römisch-katholischen, sondern auch der griechisch orthodoxen Kirche sowie Repräsentanten anderer christlicher Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Syrien unterschrieben haben, voran der Apostolische Vikar der Katholischen Kirche in Aleppo, Georges Abou Khazen. Der Appell wurde seinerzeit von ARD-aktuell unterschlagen, Sie erinnern sich an unsere ergebnislose Programmbeschwerde dagegen.

Der Bericht des Erzbischofs Tobij im italienischen Parlament, immerhin einer der großen politischen Bühnen der EU, wäre geeignet gewesen, dem deutschen Publikum die erbärmliche Heuchelei der Berliner Regierung bewusst zu machen. Er hätte auch eine Erklärung mehr dafür abgegeben, weshalb Rom sich am 20.10. weigerte, weitere EU-Sanktionen gegen Russland mitzumachen, wie vom Kabinett Merkel gefordert.

Damit wird zugleich die Motivlage der Redaktion ARD-aktuell klar, Informationen über den Auftritt des Msgr. Tobijs zu unterschlagen: transatlantische Auftragsbotschaften auszurichten und aufklärerische Gegeninformationen zu unterlassen, soweit sich das irgend machen lässt.

Die einäugige Sicht der Redaktion führt zu destruktiver Manipulation des Publikums. Sie ist mit den Bestimmungen des Staatsvertrags nicht in Einklang zu bringen.

Mit freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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