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Betreff: Programmbeschwerde: Nachrichtenunterschlagung in Syrien-Bericht
Datum: 05. Oktober 2017 um 22:32:43 MESZ
An: "NDR RR VWR" »gremienbuero@ndr.de

 


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Programmbeschwerde: Nachrichtenunterschlagung in Syrien-Bericht

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte,

beginnen wir einmal anders: Mit einem Beleg dafür, dass das hochgradig unseriöse, weil absichtlich unvollständige Informationsangebot der Nachrichtenredaktion ARD-aktuell nicht nur dieser anzulasten ist, sondern auch Ihnen, den Mitgliedern des Aufsichtsgremiums. Weil Sie, obwohl zu kritischer Überwachung der Programmqualität berufen, sich mit jeder Kiste unterm Arm in den April schicken lassen, wenn nur „NDR Intendant“ beziehungsweise „ARD-aktuell-Chefredaktion“ als Absender drauf steht, zum Beispiel mit dieser

„Wir haben bereits in zahlreichen Stellungnahmen zur Syrien-Berichterstattung deutlich gemacht, dass wir uns an Fakten und nicht an unbelegten Behauptungen oder Verschwörungstheorien orientieren.“

(Marcus Bornheim, Stellv. Chefredakteur ARD-aktuell, Stellungnahme vom 17.07. 2017, adressiert an den NDR Rundfunkrat, ausdrücklich von der Intendanz als vorgesetzter Stelle gebilligt).

Wache, kritische und fleißige Rundfunkräte hätten zurückgefragt:

Soll das etwa entschuldigen, dass ARD-aktuell seit Wochen aus/über Syrien (fast) gar nicht berichtet? Gab es von dort wirklich nichts Wichtiges zu melden?

Alsdann, Antwort hier, allerdings keine der Qualitätsredaktion ARD-aktuell und des NDR-Intendanten: Doch. Es gab. Syrien hat am 26. September formell den Generalsekretär und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angerufen:

„[…] and demands for an end of all forms of aggression and for respect of human rights and the international humanitarian law, to withdraw from this coalition that has marred [these countries’] reputation and shed plenty of the Syrians’ blood in their name, […]“

Völkerrechtsbruch und kriegsverbrecherische Massaker an der Zivilbevölkerung, zu verantworten von der sogenannten „Koalition gegen den Terror“ unter Führung der USA, werden die UN also erneut beschäftigen. Die werden zwar den Fortgang der bombigen „»Operation Inherent Resolve“ nicht verhindern können. Aber ist der syrische Vorstoß nach Ansicht von ARD-aktuell etwa auch nur mit „unbelegten Behauptungen“ durchsetzt, obwohl Belastbares hier nachlesbar ist: »http://sana.sy/en/?p=114761? Und hier auch, beispielsweise: »https://www.rt.com/news/404964-damascus-un-coalition-war-crimes/ ?

Warum hat ARD-aktuell über diese unbedingt berichtenswerte Demarche kein Wort verloren? Weil sonst sichtbar würde, welche verheerende Rolle unsere „Freunde“ in Syrien spielen? Und wie abstoßend die bundesdeutsche Gefolgschaftstreue gegenüber dem Regime in Washington ist?

Nun richten wir diese Beschwerde allerdings nicht an alle „wachen, kritischen und fleißigen“ Rundfunkräte, sondern lediglich an Sie, die NDR-Rundfunkräte. Diese Präzisierung ist notwendig, weil Sie Beschwerden über erwiesene Fälle von Nachrichtenunterdrückung mit der ebenso unzutreffenden wie unaufrichtigen und geradezu albernen Formel per Schreibautomat beantworten lassen:

Der Rundfunkrat ist [...] nicht befugt, in die Programmgestaltung des NDR einzugreifen oder auf die auf Basis anerkannter journalistischer Grundsätze getroffene Themenwahl Einfluss zu nehmen. Nach § 18 Absatz 2 des NDR-Staatsvertrages kann der Rundfunkrat nur solche Beiträge und Inhalte im Wege einer Beschwerde überprüfen, die bereits gesendet oder veröffentlicht wurden [...]“

Das geht flott, macht keine große Mühe und erspart Ihnen Konflikte mit dem NDR-Management.

Die fraglichen Bombardements sind übrigens ebenfalls belegbar, und zwar mit Angaben, die wegen ihrer Herkunft über alle Zweifel der Qualitätsjournalisten von ARD-aktuell erhaben sind: »http://www.inherentresolve.mil/Portals/14/Documents/Strike%20Releases/2017/09September/20170929%20Strike%20Release.pdf

Zu bedenken ist bei dieser Lektüre lediglich, dass die US-Streitkräfte in ihren Tagesberichten grundsätzlich keine Angaben über zivile Opfer machen. Egal wie viele Kinder, Frauen und Alte sie erschlugen: Sie geben die Toten summarisch als IS-Kämpfer aus. Dass das syrische Außenministerium über ungezählte ermordete Zivilisten klagt: Wen juckt das? ARD-aktuell jedenfalls auch nicht ... US-amerikanischer Chemiewaffengebrauch (Weißer Phosphor, international geächtet, am 27. 9. 17 von US-Flugzeugen mit Luft-Boden-Raketen auf die Stadt al-Sout verschossen) kratzt ja ebenfalls niemanden. Solche Chemiewaffeneinsätze übersieht auch ARD-aktuell.

So klärt sich auf, warum ARD-aktuell es erst recht nicht für nötig befand, das deutsche Publikum über den Antrag Syriens an die UN zu unterrichten, dem US-amerikanischen Kriegs- und Völkerrechtsbruch endlich Einhalt zu gebieten. Es sind ja bloß Syrer, die da verrecken, es ist bloß das „Regime“ des „Machthabers Assad“, das protestiert und um Hilfe ersucht.

Juckt das auch Sie nicht, den NDR-Rundfunkrat?

Auch dann nicht, wenn wir Sie daran erinnern, dass die Bundeswehr an diesem Bruch internationalen Rechts aktiv mitwirkt, indem sie für die US-Verbrecher mit Aufklärungsflugzeugen die Ziele markiert? Quelle: »http://www.luftwaffe.de/portal/poc/luftwaffe?uri=ci%3Abw.lw.team.eins.syrien

Statt korrekter vollständiger Berichterstattung über Syrien zieht ARD-aktuell lieber einseitige, Syrien beschuldigende Meldungen in sein Angebot, nach langer Pause jetzt diese:

Den Vereinten Nationen liegen nach eigenen Angaben Hinweise auf weitere Giftgas-Angriffe in Syrien vor. Bereits Ende März sei das Nervengift Sarin im Nordwesten des Landes eingesetzt worden. Proben belegten das zweifelsfrei.

UN-Ermittler haben offenbar Hinweise auf einen weiteren Giftgasangriff in Syrien. Ende März sei bei einem "Vorfall" in einem Dorf im Nordwesten des Landes das Nervengift Sarin eingesetzt worden, erklärte der Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Ahmet Üzümcü. Eine Analyse von Proben habe die "Existenz von Sarin" belegt. Quelle: s. Betreff

Hinweise“, „offenbar“ - Nur keinen gerichtsverwertbaren Nachweis für eventuelle Täterschaft. Kriegspropaganda und Feind-Dämonisierung können gar nicht schwachsinnig genug sein, als dass Tagesschau-Redakteure sie ignorierten. Kein Wort darüber, dass die Angaben der UN-Ermittler wegen ungenügender Beweiserhebung, Ferndiagnosen und parteiischer Zeugenauswahl problematisch sind, und dass die UNO selbst keine neutrale, sondern eine „prowestliche“ und US-dominierte Institution ist: Mehr hier: »https://peds-ansichten.de/2017/04/die-opcw-und-die-un-als-werkzeuge-der-globalisten-1/

UN-Generalsekretär Guterres hat kürzlich Cathrine Marchi-Uhel aus Frankreich zur Leiterin des unabhängigen Expertenteams für die Untersuchung und strafrechtlichen Verfolgung derjenigen ernannt, die gegen internationales Recht in Syrien verstoßen haben. Quelle: »https://www.unric.org/de/uno-schlagzeilen/28071-un-generalsekretaer-ernennt-vorsitzende-zur-untersuchung-von-kriegsverbrechen-in-syrien

Wie wunderbar unbefangen die Neue ist: Ihr Heimatland Frankreich bombt gerade feste mit, bei der „Operation Inherent Resolve“.

Fazit: ARD-aktuell agiert tendenziös, einseitig transatlantisch. Nachrichtenunterdrückung verletzt den Programmauftrag, dem Publikum einen „vollständigen und umfassenden Überblick über das Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen“ (§ 5 NDR Staatsvertrag) zu geben.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

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