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Seit zwei Tagen beschäftigt mich eine »Twitter-Nachricht. Es ist der Tweet der, von mir hochgeschätzten, Moderatorin des ZDF, Frau »Dunja Hayali.

Frau Hayali hat irakische Wurzeln, weiß also, wovon sie da, sehr persönlich & nachempfindbar, schreibt. Und sie ist ein Medienprofi. Insofern erstaunt mich ihr Tweet und daher habe ich einen Freund gebeten, sich mit ihm näher zu beschäftigen.

Manfred Ziegler* kennt die Region ebenfalls aus eigenem Erleben. Eine Antwort auf Augenhöhe.(ts)

 


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Liebe Frau Hayali,

 

 

Sie sprechen davon, dass die Bilder von Aleppo Sie nicht los lassen und warum das alles so sein muss und warum die WELTGEMEINSCHAFT so etwas geschehen lässt.

Sie fragen nach dem Warum und geben doch mit der sehr persönlichen Geschichte Ihrer Familie eine Antwort - wenn auch keine »Schöne:

"Diese Geschichte wiederholt sich drei Mal. Im ersten Golfkrieg (1980-1988), im zweiten Golfkrieg (1990-1991) und auch im dritten Golfkrieg (2003), also bei der Invasion durch die Koalition der Willigen..."

Und sie wiederholt sich erneut.

So wie der »Irak zerstört wurde - zuletzt unter der Lüge der Massenvernichtungswaffen - wurde auch Libyen zerstört. Die Lüge, die als Begründung diente, war die Behauptung, Zivilisten würden massenhaft bombardiert. Ein Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments hat das gerade »beschrieben.

Und so, wie Libyen zerstört wurde, wird auch »Syrien zerstört.

Im »Ostteil von Aleppo herrscht viel Not und Elend. Im Westteil von Aleppo herrscht viel Not und Elend. Täglich sterben Menschen im Westteil von Aleppo durch Granaten und Raketen, die aus dem Ostteil von Aleppo abgeschossen werden. Die Infrastruktur des gesamten Landes, »nicht nur in einem Teil von Aleppo, ist seit Beginn des Krieges Ziel von Anschlägen und Zerstörung.

Das macht es nicht besser. Für mich aber stellt sich die Frage: Warum denken wir alle an die Situation in "Aleppo" und meinen damit doch nur den Teil von Aleppo, der unter Kontrolle der Dschihadisten von al-Nusra und IS steht.

Warum beklagen wir alle »die humanitäre Katastrophe von Aleppo - und haben kein Wort verloren, als die »Dschihadisten, die heute al-Nusra und IS in all ihren Spielarten sind, 2012 den Ostteil von Aleppo besetzt haben?

Kein Wort verloren - das stimmt ja nicht einmal. Ich weiß nicht, wie Sie die Besetzung dieses Teils von Aleppo 2012 erlebt und beschrieben haben. Aber medial wurde es bejubelt als Anfang vom Ende von Assad. Wer damals gejubelt hat, darf heute nicht die Katastrophe beklagen - die Jubler haben die Katastrophe erst möglich gemacht. Sie haben sie gewollt.

Und um positiv zu werden: Das wichtigste, was wir hier tun können - ist eine »realitätsbasierte Berichterstattung. Eine Berichterstattung, die nicht nur Kinder in Aleppo zeigt, sondern die unzähligen schwer bewaffneten und gut ausgerüsteten Dschihadisten, die die Stadt und ihre Einwohner als Geiseln genommen haben. Eine Berichterstattung, die auch die Städte Syriens zeigt, die nicht oder nicht mehr von Terroristen besetzt sind.

Und eine Berichterstattung, die auch die Versuche von Vereinbarungen zwischen Bewaffneten und Regierung zeigt, um das Blutvergießen zu beenden - davon gibt es über »600.

Und schließlich eine Berichterstattung, die nicht vergisst, dass diese Geschichte sich wiederholt hat. Die Wiederholung hat aber nicht mit dem dritten Irakkrieg geendet. Leider ist es so, dass für den westlichen Teil der "Internationalen Gemeinschaft" das, was mit dem letzten Irakkrieg begann und mit der Zerstörung Libyens fortgesetzt wurde, noch lange nicht zu Ende ist.

Herzliche Grüße
Manfred Ziegler

Quellenangaben:

© Grafik: mit freundlicher Genehmigung Klaus Stuttmann / Berlin

Foto: Manfred Ziegler / Facebook *»Manfred Ziegler beschäftigt sich - neben seinem Beruf als IT-Berater - seit mehr als 10 Jahren mit den Entwicklungen im Nahen Osten, spricht Arabisch und war längere Zeit in Ägypten (Kairo) und mehrmals für längere Zeit in Syrien.

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