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Jung, Wichert und Schneiderhan hat das Kunduz-Massaker bereits den Job gekostet. Der Freiherr taumelt und das Merkel spielt, mal wieder, die Unschuld vom Lande.

 

 


 


Regierung in der Krise – aber keine Regierungskrise?
von Tilo Schönberg

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und dann vergessen Sie ganz schnell die Mär von der angeblichen Bedrohung des deutschen Lagers durch die entführten Tanklaster. Die hat es nie gegeben, ersichtlich schon allein aus der Tatsache, dass diese sich ständig vom Lager weg bewegten und schlussendlich auf einer Sandbank feststeckten – über sechs Kilometer von der Kunduz-Basis entfernt!

Bleibt die Frage, was Oberst Klein dazu bewog, die Tanklaster fast vier Stunden, nachdem Diese sich festfuhren, zu bombardieren. Nach eigenen Aussagen ging es ihm darum, „neben den Lastern auch mehrere identifizierte Talibanführer durch den Luftschlag aus[zu]schalten und deren Unterstützer treffen zu wollen.“[1] Sollte das zutreffen, hätten wir es hier mit einer gezielten Tötung zu tun, etwas, was man in der Bundeswehr  eine „neue Qualität der Eskalation“ nennt und diese neue Eskalationsstufe ist bereits seit Juli 2009 Programm:

 

 
 „Teil dieser vom Bundeskanzleramt gebilligten, vom damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und vom seinerzeit amtierenden Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan den Offizieren vorgegebenen Eskalationsstrategie ist, vertraulichen Regierungsdokumenten zufolge, auch die gezielte Ausschaltung der Führungsstruktur der Taliban gewesen.“[2] 
 
Was da so lapidar als Pressemeldung daherkommt, ist nichts anderes als die Anweisung politische und militärische Gegner regelrecht zu ermorden.

Eskalation bedeutet Steigern und Verschärfen[3]. Das Bundeskanzleramt hat also bereits im Sommer einer Eskalation, einer Verschärfung der militärischen Lage in Afghanistan zugestimmt.  Klingt gut, ist aber Blödsinn. Das Bundeskanzleramt kann von sich aus nichts entscheiden, es ist nur ein Amt. Entscheidungen treffen die jeweiligen Amtsinhaber. Chef des Bundeskanzleramtes im Sommer 2009 war der CDU-Politiker Thomas de Maizière. Hat er die Strategie genehmigt, die militärischen Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan „eskalieren“ zu lassen? Wenn ja, alleine? Oder doch nach Rücksprache mit Merkel? Von beiden, Merkel und de Maizière, hört man derzeit nichts! Stattdessen „verbrennt“ man den Freiherrn von und zu Guttenberg.

Für diesen wird seine erste Einschätzung, das Kunduz-Massaker wäre „militärisch gerechtfertigt“ gewesen, immer mehr zur politischen Fallgrube. Egal, wie weit er sich noch davon distanziert – der fade Beigeschmack bleibt und jeder personelle Reinigungsversuch vergrößert nur den politischen Flurschaden. Wichert und Schneiderhan sind bereits weg vom Fenster, wobei Letzterer ziemlich angefressen ist. Das mag damit zusammenhängen, das er schon bei der Armee war, als der adlige Balg noch ein feuchter Traum in den Augen seiner Vaters war, der es später nur bis zum Unteroffizier schaffte und jetzt ihn, den Vier-Sterne-General, aufs Altenteil „befördert“ hat. Aber das ist spekulativ und zumindest in diesem Punkt gebührt dem Freiherrn Dank. Mit Schneiderhahn ist einer gegangen worden, der genau diese „Eskalations-Strategie“, die jetzt zum Massaker im Kunduz beigetragen hat, nicht nur mitgetragen, sondern(siehe Zitat: "Es ist jetzt an der Zeit, diese Eskalation vorzunehmen"[2]) in erster Linie forciert hat.

An dieser Stelle noch ein Wort zur „Opposition“ im Bundestag, die sich jetzt künstlich aufplustert, Untersuchungsausschüsse fordert und einleitet etc. Diese Mischpoke aus Grünen, SPDlern und neoliberalen „Demokraten“ stellt sich jetzt hin und verlangt „Aufklärung“ darüber, ob „gezieltes Töten“ – also Mord! – durch das Bundestagsmandat gedeckt ist. Was braucht es noch mehr, um dieses „demokratische Instrument der Freiheit“ ad absurdum zu führen. Angesichts der Abstimmungsergebnisse zu den weltweiten Bundeswehreinsätzen kann man nur sagen: „Denn sie wissen nicht, was sie tun …“
 
Zurück zu besagtem 4. September:  „Offizieller“ Zeitpunkt der Entführung der Tanklaster ist der 03. September, 21:12 Uhr Ortszeit, Zeitpunkt der Bombardierung ist der 04. September, 01:49 Uhr. Aber bereits am Morgen des 03. Sept., um 09:30 Uhr(!), gehen vorbereitende Meldungen zu diesem Einsatz beim Kommando Führung Operation Spezialkräfte“ (Kdo FOSK) in Potsdam ein[4]. Das „Kdo FOSK“ leitet auch die KSK-Einsätze in Afghanistan, Einsätze jener Truppe, von der nicht mal der Bundestag weiß, was die in dem Land genau veranstalten. Was der Bundestag aber genau wissen müsste, ist die Tatsache, dass die „Capture-or-kill-Missionen“, die, zum Beispiel, US-Amerikaner regelmäßig veranstalten, für die Bundeswehr und damit auch für das KSK verboten sind – zumindest offiziell, weil „… die Bundesregierung […] die Vorgehensweise der Verbündeten als „nicht in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht (betrachtet)[5]“. Aber genau so eine „Kill-Mission“ war das Kunduz-Massaker! Diese Einschätzung untermauert auch der, in Deutschland noch immer als „Geheim“ eingestufte, Feldjäger-Bericht[6] des Oberstleutnant Brenner, welcher belegt, dass der Ort des Massakers innerhalb kürzester Zeit nahezu klinisch gesäubert wurde!  Brenner’s Bericht sagt auch, dass in die „Bomben“-Entscheidung wesentlich mehr Personen eingebunden gewesen sein könnten, als nur die Person Oberst Klein: „Aus den Unterlagen geht nicht hervor, welcher Personenkreis (…) zur nächtlichen Entscheidung des Kdr PRT KDZ (i.e. Oberst Klein) beigetragen hat“[6]

"What is now still exceptional - German military deploiments - needs to become more common and needs to be more widely accepted." (*Video, bei ca. 11:35) - Guttenberg spricht Klartext:
 

Deshalb  gebraucht von und zu Guttenberg das  Wort "Krieg"  - und eben auch eine überhaupt offenere, deutlichere Sprache. Afghanistan sieht der Herr nicht nur als Lackmustest für die NATO, sondern für die gesamte "Internationale Gemeinschaft". Guttenberg verabschiedet sich  vom Ziel einer "westlichen Demokratie" in Afghanistan, spricht von "Regionalisierung", will nicht nur Pakistan, sondern auch Indien einbinden[7].

Was das mit dem Kunduz-Massaker zu tun hat? Alles! Guttenbergs Rede zeigt, dass die derzeitige „Eskalations-Strategie“  in Afghanistan quer durch alle politischen Instanzen mitgetragen wird! Da steht keine Einzelperson vor der Kamera, sondern der Verteidigungsministers dieses Landes! Diese Rede bestätigt auch seine erste Einschätzung des Kunduz-Massakers: militärisch angemessen. Wenn der Freiherr jetzt zurückrudert, dann nur, weil das Geschehen am Kunduz aus dem Ruder gelaufen ist. Weil immer mehr klar wird, das es  schlicht nicht darum geht, hier oder da den armen Mädchen einen Platz in der Schule zu verschaffen oder dort mal einen Brunnen zu bauen. Sondern es dreht sich alles um die Wiederkehr Deutschlands im Reigen der Militärmächte. Die Geschichte Deutschlands beginnt beim Gegelten, mit dem Latschen durchs Brandenburger Tor. Die Zeit davor (1914/1939) – vergessen[7].

Wir sind wieder wer und um das unter Beweis zu stellen, müssen hier und da schon mal Zivilisten über die Klinge springen. Das war in Jugoslawien so, das ist jetzt in Afghanistan so und wird zukünftig auch anderswo (Naher Osten? / Afrika?) so sein.

Übrigens, das Springerblatt mit den vier großen Buchstaben hat den Afghanistankrieg medial mit vorbereitet und wird auch bei der weiteren, internationalen Auferstehung der deutschen Krieger tatkräftig mithelfen, auch wenn es jetzt scheinbar aufklärerische Artikel veröffentlicht. Diese dienen nicht der Aufklärung, schon gar nicht der Hinterfragung der deutschen Kriegseinsätze. Hier läuft ein politischer Krieg hinter den Kulissen und die Springergazette ist lediglich das Sprachrohr dafür, unliebsame „Mitstreiter“ aus dem Amt zu kegeln. Dass es dem Blatt nicht darum geht "Out of Area"-Einsätze der Bundeswehr zu verhindern, sieht man an den Artikeln, in denen die Soldaten das Kunduz-Massaker verteidigen dürfen: „„In unserer Kaserne standen und stehen wir fest hinter der Entscheidung von Oberst Klein. Ich war in Kunduz und es war wie Krieg. Ich fühlte mich auch selber von den Tankwagen der Taliban bedroht. Daher kann ich die Entscheidung für den Angriff nachvollziehen[8]“.

Wir werden, politisch und medial, darauf eingestimmt, das Deutschland Krieg führt. Schon wieder! Und wir werden darauf eingestimmt, dass „Ämter“ Entscheidungen zum Krieg treffen, nicht juristische Personen. Kriege haben nämlich die Angewohnheit, einfach auszubrechen – das ist so bei Naturphänomenen …

Volksverblödung!

Quellen:
  1. Frankfurter Rundschau
  2. Presseportal.de
  3. Wikipedia.org
  4. Bild.de
  5. Wikipedia.org
  6. Wikileaks.org
  7. Medienanalyse-International.de
  8. Bild.de

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