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Betreff: Programmbeschwerde - Faktenfinder-Reichweite
Datum: 25.Juni 2017 um 11:59:07 MESZ
An: l.marmor@ndr.de

Eingabe: „Hohe Reichtweite, begrenzte Wirkung“ – und einäugiger „Faktenfinder“

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrter Herr Intendant Marmor,

es dürfte einvernehmlich sein, dass das freimütige Eingeständnis von Fehlern und Mängeln in der Nachrichtengestaltung nicht nur vom journalistischen Anstand geboten ist, sondern auch den redaktionellen Selbstanspruch stärkt und die Glaubwürdigkeit des Instituts erhöht. Dass die Chefredaktion ARD-aktuell sich zwar mächtig etwas darauf zugute hält (Dr. Gniffke: Fehler muss man eingestehen“. Sendereihe „Sag´s mir ins Gesicht“), mit Fehlern und Schwächen adäquat umzugehen, tatsächlich jedoch meilenweit entfernt davon ist, lässt sich ebenso mühelos nachweisen. Ein bemerkenswerter Beitrag der ARD-aktuell zu ihrer „Glaubwürdigkeit“ ist, dass sie über den neuen jährlichen Reuters Institute Digital News Report zur globalen Medien-Nutzung nicht ein einziges Wort verliert – weder in der Tagesschau (obwohl es doch ausdrücklich um deren Belang in der Studie geht – noch in einem ihrer anderen Formate. Verständlich ist das zwar, denn die Qualitätsjournalistenzentrale bekommt im Ergebnis eine schallende Ohrfeige; entschuldbar ist es aber nicht, denn selbstverständlich hätte es im Interesse der Zuschauer gelegen, darüber informiert zu werden, welchen Rang „ihre“ Sendung nun eigentlich einnimmt in nationalen und im internationalen Vergleichen.

Hier nur einige Zahlen aus der Studie:

  • Lediglich die Hälfte aller deutschen Nutzer vertraut den Medien in ihrer Gesamtheit noch (USA: nur noch 33%).
  • Lediglich 44% der Zuschauer gestehen der ARD-aktuell die Attribute „akkurat“ und „verlässlich“ für ihre Nachrichten zu. Nur 39% halten die Sendung für die beste hinsichtlich Verständlichkeit bei der Vermittlung komplexer Sachverhalte. Und gar nur noch 28% gestehen ihr zu, die entschiedensten Standpunkte zu vertreten.
  • Das „Flaggschiff der ARD“ kommt also sehr schlecht in der aufwändigen Studie weg. Die Zahlen für die ARD sind sowohl für sich, als auch im Vergleich verheerend.
  • Großbritannien: Die BBC – ein Medium, mit dem sich die ARD gerne vergleicht – überzeugte immerhin noch 70% ihrer Nutzer in puncto „akkurate“ und „vertrauenswürdige“ Nachrichten.

Das sind verheerende Ergebnisse der ARD-aktuell hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Gewicht in der eigenen Nutzergruppe für einen mit Unsummen von der Bevölkerung alimentierten Apparat, der laut Rundfunkstaatsvertrag objektiv, umfassend, unabhängig und überparteilich berichten sollte.

Einen Tag nach der Reuters-Studie veröffentlichte der „Faktenfinder“ der ARD-aktuell das Traktätchen „Hohe Reichweite, begrenzte Wirkung“(Link: s.o.) und befasste sich darin mit dem ach so beliebten Thema "Fake News". Die Reuters-Studie wird hier natürlich auch nicht erwähnt. Und erst recht wird kein Blick auf koinzidentes Zahlenmaterial geworfen: Laut "ARD ZDF Beitragsservice" befinden sich 4,6 Mio. Konten im Mahnverfahren - das sind rund 10% aller Zahlungspflichtigen. Letztes Jahr wurden 1,46 Mio. Vollstreckungen eingeleitet. Sekundärquelle: »http://www.mmnews.de/index.php/politik/1...treckungen

Die Beitragseinnahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen zurück. Auch darin ist eine Antwort auf die Glaubwürdigkeitsfrage zu finden.

Der Programmauftrag im Staatsvertrag enthält u.a. die Verpflichtung der ARD-aktuell, den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen

einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben.

Indem die Qualitätsjournalistenzentrale in Hamburg-Lokstedt die für sie blamable Reuters-Studie mit Schweigen bedenkt, verstößt sie gegen diese Pflicht.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

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