aktuelle News

Betreff: Programmbeschwerde: Kaspersky
Datum: 16. Oktober 2017 um 11:45:43 MESZ
An: "NDR RR VWR" »gremienbuero@ndr.de
Kopie: »l.marmor@ndr.de

 


tagesschau.jpg

 

Programmbeschwerde: Kaspersky

von Volker Bräutigam* & Friedhelm Klinkhammer**

Sehr geehrte Rundfunkräte,

über den US-geheimdienstlichen Vorwurf, Kaspersky betreibe für Russland Spionage in den USA, schrieb das Konkurrenzunternehmen Ashampoo GmbH & Co. KG auf seiner Website:

"Beweise jeglicher Art für ein Vergehen von Kaspersky bleibt das federführende FBI somit weiterhin schuldig. Liest man zwischen den Zeilen, so geht es auch nicht um jene Programme, die aktuell auf den Rechnern laufen, dort hat man ja keine Unregelmäßigkeiten feststellen können. Es geht darum, was sein könnte. Das Szenario, der russische Geheimdienst könnte Kaspersky-Software nutzen, um Überwachungssoftware in amerikanische Behörden einzuschleusen, bringt viele um den Schlaf. Es ist hier also schlicht die Nationalität einer Firma, verbunden mit dem Misstrauen gegenüber Putins Machtapparat, die hier einen Boykott auslöst. Denkt man dies weiter, fühlt man sich leicht paranoid. Was ist denn z.B. mit Microsoft und der traditionell wenig zimperlichen NSA? Wäre dies undenkbar? Sollte man deshalb amerikanische Software meiden, weil es sein könnte? ... Um nicht missverstanden zu werden: Wir haben keinerlei Geschäftsbeziehungen zu Kaspersky, für uns sind sie schlicht Konkurrenz. Stumpf gedacht könnte man sich freuen, vielleicht verkaufen wir dadurch ein paar Antivirus-Lizenzen mehr. Aber darf ein Unternehmen ohne jegliche Beweise so massiv öffentlich an den Pranger gestellt werden? Darf eine Firma, die für viele Arbeitsplatz und sogar Lebenswerk ist, wegen purer Verdächtigungen geschädigt werden? Das widerspricht jeglichem Rechtsempfinden.....Noch verstörender ist die Einstellung der US-Regierung gegenüber den privaten Nutzern. Während die amerikanischen Behörden Blut und Wasser schwitzen werden, um die Fristen von 60 Tage Planungsphase und 90 Tage Umsetzung zu bewältigen, sollen Privatnutzer nur die Ruhe bewahren. Es ginge nur um Unternehmen und Regierungsstellen, die hier gefährdet seien. Wenn man aber einer Firma schon unterstellt, sie könne als Schnüffel-Abteilung des Kremls arbeiten, wieso gibt man dann keine Warnung für private Nutzer aus? Ist deren Sicherheit nichts wert? Zudem dürften auch viele Forscher, Universitätsmitarbeiter und Angestellte der angeblich gefährdeten Behörden privat Kaspersky nutzen. Ist das egal? Oder ist es halt doch eine politisch motivierte Entscheidung?
Quelle: https://blog.ashampoo.com/de/2017-09-19/der-fall-kaspersky-kalter-krieg-auf-unseren-rechnern

Ganz anders reagierte die Redaktion ARD-aktuell: Ihr Bericht vom 11.10.17 über das Vorgehen der US-Behörden gegen den russischen Software-Anbieter Kasperski enthält keinerlei kritische Fragen, sondern beschränkt sich auf die Wiedergabe von Gerüchten und Verdächtigungen obskurer Quellen, wie Geheimdienste und nicht eben seriöse Medien sie abzusondern pflegen. Es wird nicht über den konkreten Vorwurf und dessen Fragwürdigkeit geschrieben, sondern nur referiert, was andere darüber geäußert haben. Blankes Hörensagen, ohne jede Beweiskraft.

Wie beim Thema "Russische Einmischung in US-Wahlkampf", bei dem jede kleine Nachricht, jedes Gerücht, jede, auch die absurdeste Aussage eines Politikers, eines Sängers oder Schauspielers, ja jedes (zumeist breits pensionierten) Geheimdienstlers veröffentlicht und gesendet wird, soll auch die "neue Sau im Dorf", die Kaspersky-Story, dazu führen, Russland in Misskredit zu bringen. Das propagandistische Teil-Ziel: Die Zuschauer und Zuschauerinnen sollen denken: Nicht nur Putin, sondern auch weltweit erfolgreiche russische Unternehmen, hier der Software-Hersteller Kaspersky, sind destruktive Übeltäter, jedes Mittel ist ihnen recht, in diesem Fall Spionage. Das Propaganda-Instrument: So lange und so oft es geht, Negativbehauptungen wiederholen, und seien sie noch so absurd - bis sie vom Rezipienten als Wahrheit, als Fakt wahrgenommen werden.

Der Vergleich der Reaktionen von Ashampoo und ARD-aktuell zeigt, wie sich seriöser und um Objektivität bemühter Umgang eines privatwirtschaftlichen Konkurrenzunternehmens mit Regierungshandeln von miesem und sich auf Verdächtigungen beschränkenden Gossenjournalismus unterscheiden, zu dem sich hier ein politisch abhängiger öffentlich-rechtlicher Sender herbeiließ. Angesichts der aktuellen Angriffe der privaten Medien auf das öffentlich-rechtliche Rundfunkwesen schießt ARD-aktuell mal wieder ein sauberes Eigentor. Der Beitrag verstößt gegen das Gebot der Objektivität bei Nachrichtensendungen.

Mit freundlichen Grüßen
»Volker Bräutigam & Friedhelm Klinkhammer

»*Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net). 

**Friedhelm Klinkhammer war langjähriger Gesamtpersonalvorsitzender des NDR

Quellenangaben:

  • Grafik: mit freundlicher Genehmigung © www.egonkramer.de

Grafische Bearbeitung/Linksetzung durch 0815-Info.com