aktuelle News Zwischenzeitlich konnte man ja schon hier und da nachlesen, dass die Anstalten des öffentlichen Rundfunks genervt sind, von der anhaltenden Flut von Eingaben zur aktuellen Berichterstattung.Ihre Strategie: Allgemein-Plätzchen und notfalls hat eben Bodo Ramelow Schuld!
Das mag bei Paul Y. und Ingeborg Z. aus "Klein-Grützburg" auch durchaus Wirkung erzielen. Aber nicht bei »Friedhelm Klinkhammer und »Volker Bräutigam, zwei, die den Medienbetrieb aus dem "FF" kennen...



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Volker Bräutigam      v.braeutigam@gmail.com
Friedhelm Klinkhammer     f.klinkhammer@gmx.de
13.01. 2015
Herrn
Intendant Lutz Marmor
Norddeutscher Rundfunk
Hamburg
Per E-Mail l.marmor@ndr.de

Unsere »Programmbeschwerde v. 10.12. 2014/Unterschlagung von Informationen über den »Appell der 64 Prominenten zum Kurswechsel gegenüber Russland
Hier: »Ihre sowie der Chefredaktion ARD-aktuell »Stellungnahme v. 09.01. 2015

Sehr geehrter Herr Marmor,
wir bedanken uns dafür, dass Sie unsere o.a. Beschwerde unter voller Nutzung der dafür vorgesehenen Monatsfrist an deren letztem Tag noch beantwortet haben. Da Sie in der Entscheidung der ARD-aktuell-Chefredaktion den offensichtlichen Verstoß gegen den NDR-Staatsvertrag "nicht zu erkennen" vermögen, bitten wir Sie, darüber nunmehr den NDR-Rundfunkrat befinden zu lassen.

Wir bestehen auf einer Überprüfung seitens des Rundfunkrates, ob es mit dem staatsvertraglichen Gebot zur vollständigen Information, zur Friedensförderung und Völkerverständigung vereinbar war, den »Appell der 64 prominenten deutschen Elder Statesmen und anderer bedeutender Persönlichkeiten zur Kursänderung gegenüber Russland in den Hauptnachrichtensendungen zu verschweigen. Der Umstand, dass am selben – „nachrichtenstarken“ – Tag der thüringische Ministerpräsident gewählt worden ist, kann die redaktionelle Nichtbeachtung des Aufrufs nicht rechtfertigen. Journalistische Professionalität verlangt eine vertretbare Abwägung. Dieses Auswahlermessen wurde hier offensichtlich fehlerhaft ausgeübt. Unübersehbar ist der Grund für die Verschweigung des Aufrufs nicht der angeblich „historische Charakter“ der thüringischen Wahl (das „Historische“ am Ramelow in Erfurt ist schon nach einem Monat nicht mal mehr unterm Mikroskop zu erkennen; eine kompetente Redaktionsleitung hätte das mit vergleichendem Blick auf den „historischen“ Stuttgarter Kretschmann bedacht). Maßgebend war vielmehr die peinliche Servilität der Nachrichtenredaktion im Verhältnis zur Bundesregierung.

Es verwundert sehr, dass Chefredakteur Gniffke sich abermals auf Usancen der sog. Qualitätsmedien beruft und damit jegliche Eigenständigkeit und Anspruch auf eine Vorbildfunktion der öffentlich-rechtlichen TV-Nachrichten missen lässt – ­­obgleich diesbezügliche Erwartungen in Kenntnis seiner bisherigen Argumentation naturgemäß  gering waren. Hingegen hoffen wir noch, im NDR-Rundfunkrat ein dem Gesetz und den Aufgabenstellungen des Rundfunkstaatsvertrags verpflichtetes Bewusstsein zu finden. Bei unseren Programmbeschwerden bestärkt uns der Wunsch, entsprechende Fundstücke wegen ihres Seltenheitswerts der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Mit freundlichem Gruß
Volker Bräutigam
Friedhelm Klinkhammer

»Volker Bräutigam war von 1975 bis 1985 Redakteur in der Tagesschau-Zentrale Hamburg und auch danach noch, bis 1995, beim öffentlich-rechtlichen NDR (in der Hauptabteilung Kultur) als Journalist tätig. Er schreibt heute für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Als Nachfolgerin der "Weltbühne" orientiert sie sich strikt an diesem Vorbild. (s.a.»http://ossietzky.net).

 

»Friedhelm Klinkhammer war Gesamtpersonalratsvorsitzender des NDR und zeitweise persönlicher Referent der Direktorin des NDR-Landfunkhauses Niedersachsen.

Grafik: © ChrisHamburg / Wikimedia